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Die Sommerreise 2000
der SY "Quintessa"
nach Dänemark,
Schweden und Norwegen.

Auszug aus dem Logbuch
von Eike Schmidt


Unserer  "Haupttörn" im Sommer 2000 beginnt an der Schlei im schönen Missunde. Dort sind wir erst im Mai d. J. von vielen anderen "etablierten" Seglern liebevoll aufgenommen und mit einigen Tipps in die neue Umgebung und Usancen eingewiesen worden. Dafür hiermit unser herzliches Dankeschön. So starten wir am 19. Juni nach einem gemütlichen
 
Klönschnack und dem Verstauen des für zwei Personen vielen Gepäcks bei sehr heißem, jedoch für Segler auf dem Wasser angenehmen Wetter, erst einmal bis zu unserem geliebten Schleimünde. Am nächsten Tag geht es dann bis nach Rudköbing, um unsere alten Freunde Wulfried und Maggi mit einem Schwesterschiff für einen gemeinsamen Teil der Reise zu treffen. Es ist so heiß, dass wir in der dänischen Südsee erst einmal ankern, den großen Regenschirm im Cockpit aufspannen und schwimmen gehen.
                      Hanne

Abends dann unser erstes gemeinsamen Essen am Hafenkiosk. Die nächsten Tage bescheren uns nicht mehr ganz so warmes, jedoch schönes Wetter und teils zu leichte Winde, so dass wir hin und wieder den Motor etwas mitlaufen lassen. Da wir Urlaub und auch Zeit genug haben, hatten wir unseren Frauen versprochen, auch Urlaub zu machen und nur kurze Etmale zurückzulegen. Somit geht es zunächst mit Stationen in Kerteminde, Ballen, Grenaa, Hals und Saeby nach Skagen. Dort sind wir mit meiner Schwester Frauke und Schwager Helmut verabredet, die in der Nähe ihren Urlaub verbringen. Besonders bei strahlendem Sonnenschein wie heute hat Skagen eine fantastische Atmosphäre. Alle sind begeistert. Das Leben quirlt, auch wir mischen mit und reihen uns in die fischessenden Gruppen vor den typischen Häusern ein.





Am nächsten Morgen laufen wir bei leichten nördlichen Winden aus nach Marstrand in Schweden. Der Dunst lässt die Sonne zunächst nur gefiltert durch.
 

 Bei Marstrand

Unser geliebtes (besonders das meiner Frau) Marstrand empfängt uns so schön, dass wir beschließen, auch den folgenden Tag noch dort zu verweilen. Die Sonne strahlt und wir wandern um die für uns so abwechslungsreiche Schäreninsel vorbei an der felsigen Badeanstalt über Klippen mit herrlichen Fernblicken über die Schärenwelt bis wir zu den verträumten Seerosenteichen gelangen. Danach erfreuen wir uns an den für uns ungewohnten alten und in den letzten Jahren gut restaurierten Holzhäusern mit vielen Geschäften und Boutiquen. Eine ganz besondere Atmosphäre ergeben die Straßencafés an der Kaimauer.

Wir müssen (oder wollen) weiter, das Wetter ist heute vergleichsweise unwirtlich, und so geht es mit unserer etwas stärkeren Maschine gen Norden teils durch die Schären durch den Kyrkesund, Mollönsund, und Viggholmssund vorbei an Gullholmen und Lysekil bis Malmön, ein gut ausgebauter Yachthafen, der jetzt Ende Juni noch erstaunlich leer ist. Inzwischen kommt auch die Sonne wieder durch und der kleine alte Ort mit seinen farbigen Holzhäusern strahlt zwischen Felsen in der Abendsonne.

Am nächsten Tag erreichen wir nach schöner Fahrt durch den Sotenkanal und Hamburgsund bei strahlendem Sonnenschein Fjällbacka. Hier empfängt uns viel Leben und ein Hafenfest. Wir sind begeistert von der Lage des Ortes und der Atmosphäre.

Später zieht es uns weiter zunächst unter Maschine vorbei an Grebbestad und durch den Havstenssund zu den Koster-Inseln. Diese schöne Inselgruppe ist leider übersät mit vielen kleinen Schären und Unterwasser-Untiefen und erfordert somit eine aufmerksame Navigation. Von Osten kommen nehmen wir den leichteren Weg und machen im Kostersundet fest. Sogleich starten wir einen sonnigen Spaziergang über Nord-Koster vorbei an teils einfachen Häusern und Sommerhäusern und gewaltigem Rundumblick vom hohen Aussichtspunkt, bei dem uns aufgrund der vielen kleinen sichtbaren Felsen über und auch unter Wasser für den nächsten Tag etwas unwohl wird. Doch die schöne Urlaubsstimmung der Skandinavier überträgt sich auch auf uns. Abends sitzen wir mit unseren Freunden noch lange im Cockpit. Um Mitternacht ist es noch erstaunlich hell. Die weißen Häuser am gegenüberliegenden Ufer strahlen immer noch ganz klar. Doch wir müssen schlafen für den nächsten Tag unseres Zieles Stavern in Norwegen.

Um 7.00 Uhr scheint schon die Sonne durch die Fenster und motiviert zum schnellen Aufstehen. Trotzdem ruhiges und ausgiebiges Frühstück im Cockpit. Mit 3 Bf. später zunehmend 5 Bf. aus SSW haben wir eine ausgezeichnete Überfahrt mit anliegendem Kurs bis Stavern vor Larvik. Entgegen den Stromkarten haben wir bis zu 1,5 kn Strom. Bei unserer Annäherung an die Schäreneinfahrten und jetzt bei auflandigem Wind verursacht die für uns ungewohnte lange und hohe Dünung zunächst etwas aufmerksame Skepsis. Doch bei weiterer Annäherung löst sich manche Unklarheit. Also: hinfahren und ansehen. Innen tut sich ein schöner Hafen auf, der jedoch bei südlichen Winden in Teilbereichen unruhig ist.







Die Kosterinseln

Zunächst wird im ICA-Markt unser Proviant ergänzt. Die Ware ist gut jedoch teuer. Abends wandern wir durch den Ort, essen eine Fischsuppe im Restaurantzelt am Hafen für DM 35,-- je Person, ein Glas Bier DM 11,50 und ein Glas Wein DM 17,50.
Sicherlich auf Grund des Ölvorkommens ist für uns das Preisniveau in Norwegen sehr hoch. Nur Bootsdiesel bekommen wir für DM 1,50 je Liter, jedoch an der Autotankstelle kostet Diesel DM 2,60 und Benzin DM 3,--. Wir bleiben zunächst in Stavern, besichtigen die alten Militäranlagen und eine Präsentation der Fahrzeuge und Schiffe aus früheren Zeiten. Wir erklimmen das norwegische Nationaldenkmal an die gefallenen Seeleute beider Weltkriege. Von hier bietet sich ein herrlicher Rundblick über die vorgelagerten Schären. Bei diesem schönen Wetter sind bis spät abends die Straßen und Cafés bevölkert. Die Norweger genießen den Sommer intensiver als wir. Es herrscht südländische Stimmung mit Musik in den Straßen und aus vielen Ecken. Wir gehen wieder erst nach Mitternacht schlafen. Es ist noch relativ hell.

Heute geht es nach Kragerö. Der Wind oder besser unser Wind richtet sich wie an vielen Tagen unserer Reise nicht nach dem gut empfangenen Wetterbericht aus Deutschland für das Skagerrak, sondern weht wesentlich schwächer zunächst aus N-NE und dreht dann im Laufe des Tages mit der Sonne auf SW mit 3 Bf. Unsere Fahrt durch den Langarsund ist interessant und überwältigend zugleich besonders bei diesem ruhigen und schönen Wetter. Die Schären in Südnorwegen sind im Gegensatz zu den äußeren Schären Westschwedens stark bewaldet und somit viel lieblicher. Wir tragen während der Fahrt Badekleidung, im Salon sind 25 Grad.

Kragerö bei diesem Wetter ist für uns wie Sylt und wie im Mittelmeer zugleich. Es herrschst im gesamten Ort eine traumhafte südliche Stimmung. Nur die Preise sind norwegisch. Eine zwar sehr große Pizza im rustikalen, jedoch stimmungsvollen Restaurant mit Musik kostet immerhin DM 45,-- zuzüglich Getränke. Wir genießen die Atmosphäre und haben selbst eine spitzenmäßige Bordküche. Eine große Anzahl kleinerer offener Motorboote mit relativ starken Außenbordmotoren von den vielen Sommerhäusern in den Schären laufen den Ort an, um sich zu bevorraten und ein Schwätzen im Außencafé und Supermarkt zu führen.

Die weitere Tour geht durch die Innenschären und auch Außenfahrwasser mit relativ hoher Dünung nach Risör. Der deutsche Wetterbericht fürs Skagerrak meldet SW-W 5 Bf. Hier an der Südküste weht der Wind glücklicherweise wieder schwächer aus anderen Richtungen bzw. aus der Sonne.Risörs weißgekalkter Aussichtspunkt (Risörflecken) Urheia ist als altes Seezeichen auch heute noch bereits in
12 sm Entfernung auszumachen.

Die Quintessa in Risör, Norwegen

Risör ist wieder ein schöner und lebendiger kleiner Ort. Er gehört zu den sogenannten 5 weißen Orten Norwegens, da die Häuser alle weiß gestrichen sind.

Für den neuen Tag verkündet der deutsche Wetterdienst fürs Skagerrak bzw. Utsira NW 7 und Navtex aus Norwegen NW 6. Doch uns bleibt glücklicherweise der schwache Wind erhalten, wenn auch zunächst aus NW, dann SW und später in den Schären SE. Wir erreichen die 13.000 Einwohner zählende Stadt Arendal. Auch hier gefällt uns ausgezeichnet, so dass wir wieder einige Tage verweilen wollen. Zunächst wird ausgiebig ausgeschlafen. Dann die Verabschiedung unserer Freunde. Sie wollen weiter nach Westnorwegens, um dort Fjorde aufzusuchen. Ihre Rückkehr ist erst für September geplant.
Wir haben einen schönen Liegeplatz vor dem weißen zweitgrößten norwegischen aus Holz gebauten mehrstöckigem Rathaus. Es ist schon beachtenswert, welch große Gebäude hier ganz aus Holz, also dem Material der Region, gebaut wurden. Bei strahlendem Sonnenschein geht es durch die Stadt. Wir bummeln, genießen und kaufen ein. Auch diese Stadt ist fröhlich belebt. Die Menschen genießen den Sommer. Die Außenrestaurants und Cafés sind belegt. In den Straßen musizieren Gruppen junger Menschen freudig und locker nur so zum Spaß vom Jazz bis zum Walzer. Andere zeigen Turnübungen und viele Leute sitzen in den Außenanlagen und genießen einfach nur die Sonne und Stimmung. Fischerboote kochen und verkaufen leckere Taschenkrebse. Nach einer Wanderung auf den nahe gelegenen Berg genießen wir einfach die Ruhe, den sonnigen Tag und den weiten Blick über die Schären mit den weit verstreuten hell leuchtenden Sommerhäusern bis ins Skagerrak.

Da wir im August wieder in der Schlei sein möchten und auch die leicht veränderte Rücktour in Ruhe genießen wollen, geht es wieder ostwärts. Wir suchen wieder bekannte und auch neue Plätze auf. So bleiben wir ausgiebig in Kragerö, bis wir später über Stavern wieder die schwedischen Koster-Inseln erreichen, weil es uns dort so gut gefallen hat. Hier treffen wir mehr Boote aus Norwegen als aus Schweden.

Schöne Norwegerinnen in Stavern

Dänische und deutsche Segler sind weit seltener anzutreffen. Zwischenzeitlich macht sich in allen Häfen bemerkbar, dass wir uns in der Hauptferienzeit befinden. Es ist voller geworden. Doch irgendwo finden wir immer noch einen Liegeplatz, wobei sich Hannes fließendes Schwedisch positiv bemerkbar macht.

Wir verlassen die gastlichen Koster-Inseln und laufen in Richtung Grebbestad. Heute ist es kühler. Der anfänglich gute nördliche Segelwind wechselt beim Einlaufen in die kahlen westschwedischen Schären auf SW und frischt auf. An den seewärts freien Stellen pfeift es zwischenzeitlich mit 22 Knoten und eine für uns gewaltige Dünung lässt das Boot tanzen. An den nur flach unter dem Wasser liegenden Rockies schäumen die Wellen bedrohlich. Jetzt ist es wichtig zu wissen, wo man ist und wo der ungefährliche Weg ist. Doch bald sind wir wieder in der Abdeckung. Im Gegensatz zu unserer Hintour treffen wir jetzt viele Segler und Motorboote, häufig mehr Norweger als heimische Schweden. Auch begegnen wir ein Boot aus dem MiYC, und zwar die Trixieben.

Grebbestad empfängt uns mit Sonne. Der Hafen ist urlaubsbedingt sehr voll, doch ein Platz ist irgendwo immer noch zu haben. Nahezu alle Segler sind sehr hilfs- und kompromißbereit. Der Ort versucht, mehr Touristen anzuziehen und baut dazu nach dem Vorbild von Smögen am Wasser Zeilen von Holzhäusern auf mit Restaurants, Boutiquen etc.

Uns zieht es bald wieder in die ruhigeren Schären und später nochmals nach Fjällbacka. Wir genießen den Ort und die offenen rustikalen Cafés und Restaurants am Wasser, lassen einige Maschinen Wäsche waschen und trocknen und sitzen abends lange in unserem Cockpit mit norwegischem Geit Ost (Käse), italienischem Wein und Blick auf die weißen Häuser vor der Felswand. In der Ferne sehen wir ein Tief oder zumindest eine dunkle Wand in Richtung Süden ziehen und haben somit Angst, bei weiterer Fahrt nach Süden ins schlechte Wetter zu geraten. Ein Gespräch übers Handy mit unsere Freunden Claus & Maren, die gerade Urlaub haben und im heimischen Schleimünde liegen, signalisiert nur schlechtes norddeutsches Wetter. Jedoch auch wir bekommen nachts noch unseren Regen von einem Tief über Südnorwegen.

Wir beschließen, trotz Warnung wegen urlaubsbedingter Überfüllung und Unruhe, Smögen anzulaufen. Bereits gegen 14.30 Uhr erreichen wir den schmalen Hafenschlauch und finden noch einige freie Plätze vor am Mittelsteg mit Heckanker. Somit haben wir die Promeniermeile zur Ansicht direkt vor uns, jedoch nicht die vielen landseitigen Touristen. Die Sonne hat sich leider versteckt, doch es ist trocken und auch wir bummeln mit den übrigen Touristen durch die vielen kleinen Geschäfte und Restaurants in den ehemaligen hübschen farbigen Fischerhäuschen. Wir erstehen am Fischpier frischen weißen Heilbutt, Gemüse und eine deutsche Zeitung, um wieder an Bord zu schwelgen mit Wein und nordischer Musik von Grieg.

Unser nächstes Ziel ist die NAJAD-Werft in Henan auf Orust. Es geht wieder vorbei an Lysekil und dann durch den engen Getevikssung. Die Brücke bei Källviken ist nur 16 oder mit Toleranz 16,8 m hoch. Zusätzlich scheint der Wasserstand heute niedriger zu sein, so dass wir mit unseren Antennen problemlos durchkommen. Wir werden mit einer wunderschönen, wenn auch z. T. engen Durchfahrt, belohnt.
Der Hafen des kleinen Ortes Henan liegt Abseits der Hauptrouten und bietet somit auch in der Hauptsaison noch reichlich Liegemöglichkeiten. Ein Rundgang, Einkauf und ein Cappuccino in der wiedererwachten Sonne bildet den Abschluss, bevor wir wieder unser gemütliches Boot mit Hannes ausgezeichneter Küche aufsuchen.

Wir segeln östlich um Orust, suchen ruhige Plätze zum Übernachten auf und gelangen wieder zu unserem geliebten Marstrand. Hier tobt zwischenzeitlich das Leben der Hauptsaison. Trotzdem finden wir die Atmosphäre einfach toll und verweilen noch einen zusätzlichen Tag.
Danach geht es weiter südwärts bis auf die Göteborg weit außen vorgelagerte Schäreninsel Fotö. Ich habe sehr sorgfältig viele Waypoint in den GPS eingegeben, um uns problemlos dort hinzubringen. Nach Erreichen des letzten Waypoints stehen wir vor einer Felswand und sehen keinen kleinen Hafen.

Schwedisches Fotö, von hier nach Läsö

Ein nochmaliger Vergleich der eingegebenen Koordinaten bestätigt die Richtigkeit. Jetzt entdecke ich auf einem Felsen ein abgeknicktes Ansteuerungsdreieck und darunter ein weiteres nur auf dem Fels in weiß gezeichnetes Gegendreieck. Ganz vorsichtig nehme ich diese in Peilung, Backbord und Steuerbord dicht vorbei an etwas aus dem Wasser ragenden Steinen. Jetzt an der Ecke öffnet sich nach einem grünen im Wasser verankerten Fender, den wir natürlich Steuerbord lassen, das Hafenbecken. Dort treffen wir eine kleinere deutsche und schwedische Yacht und natürlich einheimische Festlieger. Es ist wieder sehr warm und wir wandern über die Felsen mit herrlichem Weitblick und silberglänzendem Meer.

Unser nächstes Ziel ist Osterby auf Laesö im nördlichen Kattegat. Wir motoren vorsichtig aus den engen Schären, sehen in der Ferne weiter im Süden die alte Lotzeninsel Vinga und können bei leichten Winden aus W mit 220 Grad gut anliegen. Später kommt fairerweise die Sonne wieder durch, der Wind dreht etwas auf NW-NNW mit 3-4 Bf. Somit haben wir eine herrliche Überfahrt nach Dänemark, unser Autopilot steht auf Zielfahrt und wir faulenzen und beobachten nur die Fähren und Fischkutter in der Ferne.

Laesö ist erwartungsgemäß von deutschen und schwedischen Booten gut besucht, doch weiter hinten im Yachthafen findet sich noch eine Lücke für uns. Es ist schön heiß. Wir bestücken sofort einen Picknickkorb und gehen mit Badezeug zum direkt neben dem Hafen befindlichen wunderbaren weißen Badestrand mit kleinen Dünen und Heidelandschaft im Hintergrund. Auf den ersten 200 m herrscht reger Badebetrieb, danach wir es schnell wunderbar einsam. Wir wandern lange am Wasser entlang. Ein wunderschöner Tag geht zu Ende. Das Badesalz wird am Steg mit dem Wasserschlauch abgespült. Wir bleiben noch einige Tage und genießen den sonnigen Badeurlaub. Eike beschafft wie häufig frischen Fisch direkt vom Kutter, heute gibt es wieder Steinbutt, den Hanne in Weißweinsud mit Dill und anderen geheimnisvollen Zutaten exzellent zubereitet. Sie übertrifft weit das leider eher unterdurchschnittliche Essen der dänischen Restaurants.

Es ist bereits Ende Juli und wir wollen weiter südwärts. Da der heutige Tag ohnehin grau zu werden scheint, fällt der Abschied nicht so schwer. Wir segeln bei 3 Bf. aus NNE nördlich Laesö Richtung W, doch aufgrund des bald achterlichen schwachen Windes und der Dünung schlagen die Segel nur, so das wir zum Motoren übergehen. Regen setzt ein, doch unser Johann (Autopilot) verrichtet seine Arbeit sehr gut und wir können geschützt unter dem Sprayhood sitzen. Unser Ziel ist Saeby auf Nordjütland. Im regnerischen Dunst kreuzt ein kleiner Schlepper unsere Richtung. In weitem Abstand folgt ein Arbeitsschiff. Wir beobachten diese Schiffe skeptisch und meinen, dass zwischen beiden etwas sein könnte. Vorsichtshalber rufe ich auf UKW-Kanal 16, der bei uns während der Fahrt auch immer eingeschaltet ist, auf englisch das Arbeitsschiff westlich Saeby an und bekomme auch sogleich Kontakt. Auf meine Frage wird mir mitgeteilt, dass zwischen beiden Fahrzeugen sich eine 1200m lange Pipeline befindet, die geschleppt wird. Ich drücke mein Erstaunen über die geringen Sicherheitsmaßnahmen aus und den Hinweis, dass es doch besser gewesen wäre, mich als einziges Boot in der Nähe anzurufen. Wir runden das Arbeitsboot am Heck und erreichen danach wohlbehalten Saeby.

In den nächsten Tagen geht es weiter über Öster-Hurup und Grenaa nach Ebeltoft. Dort, in dem von uns immer wieder geliebten mit Touristen gefüllten romantischen Ort, versorgen wir uns wieder mit kiloweise Kerzen für die irgendwann bevorstehende Wintersaison in Hamburg und decken uns auch wieder mit köstlichen Meeresprodukten ein.

Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Ebeltoft und segeln dann nach Juelsminde, in den nächsten Tagen weiter in den kleinen Belt zur Insel Aarö. Es ist wieder herrliches Wetter, wir bleiben dort einen Tag länger und wandern viel.

Nun kommen wir der Heimat wieder näher und der Hang zum Heimathafen wächst. Wir übernachten noch einmal in Schleimünde, um dann am nächsten Tag in Ruhe unser Heimatrevier, die Schlei, bis Missunde genießen zu können.

Die rund 7 Wochen waren eine schöne Zeit, auch unter Berücksichtigung, dass wir in Westschweden und Südnorwegen wesentlich besseres Wetter hatten als hier in Süddänemark und Norddeutschland.
Mein ganz besonderer Dank an meine Frau Hanne, dass sie alles so liebevoll mitgemacht und uns eine hervorragende Bordverpflegung gezaubert hat.
 









Abend in Ebeltoft

Ergänzende TÖRN-INFOS:

Unser Boot - eine NAJAD 360 - segeln wir zu zweit, mit meiner lieben Frau Hanne. Zum leichteren Handling haben wir ein Bugstrahlruder und segeln nur mit der kleineren Rollfock. Für günstige leichte Winde dient ein flach geschnittener Blister. Das Großsegel ist durchgelattet und fällt problemlos in Lazyjacks.

Als Navigationshilfe hat GPS durch die jetzt erhöhte Genauigkeit besonders in engen Schärengewässern an Bedeutung gewonnen. Ob man die Navigation in den Schären als anspruchsvollen betrachten soll ist natürlich Ermessenssache. Wichtig ist auf jeden Fall immer zu wissen, wo man sich befindet und in welche Richtung es weitergehen soll. Dazu ist eine laufende Verfolgung und ggf. auch Markierung auf den Karten wichtig. Ergänzend habe ich vorher an markanten Stellen Waypoints gesetzt und mit der Nummer in den Karten vermerkt. Somit war mittels GPS die Richtung und Entfernung immer verfügbar.

Die deutschen Sportbootkarten sind für uns Segler die besten und sind auch für die dänischen Gewässer vorhanden. Die entsprechenden schwedischen Karten sind auch sehr gut im Detail, nur umständlich in der Handhabung. Die norwegischen Sportbootkarten - auch wenn der Maßstab 1:50.000 gut ist - sind zu klein im Ausschnitt, unübersichtlich und mit sehr vielen Tiefenangaben übersät, die uns überhaupt nicht interessieren. Darum sollte man eine Lupe benutzen, um die kleinen Tonnenmerkmale überhaupt zu finden. Etwas besser sind die amtlichen deutschen Seekarten im Maßstab 1:50.000, die jedoch nicht an den Standard der deutschen Sportbootkarten herankommen (z.B. farbige Tiefenlinien bei 20 m etc).

Das Hafenhandbuch der Kreuzerabteilung des DSV ist nur begrenzt zu empfehlen. Für Westschweden haben uns die Bücher Küstenhandbücher Schweden 1 u. 2 sowie Naturhäfen und Ankerplätze Westschweden von Gerti & Harm Claußen sehr gut gefallen. Ergänzend kann man die in den schwedischen Touristenbüros kostenlos abgegebenen Hefte "Gästhamns Guiden" gut verwenden. Speziell für das Aufsuchen von Ankerplätzen in den Schären benutzen wir den schwedischen Band "Naturhäfen aus der Luft" mit eingezeichneten Routen, Tiefen und Anker- bzw. Festmacherplätzen.
Für Norwegen gibt es einen ähnlichen Band, und zwar "Havnebok Sörlandkysten". Als Hafenhandbuch für Norwegen hat uns das Buch der norwegischen Seenotrettung (Redningsselskapet) "Ferie & Fritids-Havner" gut geholfen. Ebenso sind die entsprechende Bände der "Den Norske Los" zu empfehlen.

Für die Wettervorhersagen haben wir den kleinen Wetterdekoder Target 147 mit Aktivantenne am Heckkorb. Somit hatten wir auf den ganzen Reise einwandfreien Empfang des Pinneberger Senders. Weiterhin haben wir den Navtex-Empfänger meistens auf Norwegen eingestellt, um auch Wetter- und Warnmeldungen zu empfangen. Ergänzend ist es jedoch ratsam, auch die Berichte auf den UKW-Arbeitskanälen der Küstenfunkstellen und ggf. lokale Rundfunksender abzuhören.

Die Vorhersagen für Teilgebiete können erheblich von den Vorhersagen wie z. B. fürs Skagerrak abweichen. Gerade bei stabilen Schönwetterlagen spielen in Landnähe die See- bzw. Landwinde z. T. eine übergeordnete Rolle. Zum Nachschlagen bzw. Suchen der Kanäle und Frequenzen sollte man das Heft "Yachtfunkdienst Nord- und Ostsee" benutzen. Auch die örtlichen UKW-Rundfunksender geben sehr gute örtliche Seewetterberichte in Landessprache. Dabei war für mich komfortabel, dass Hanne schwedisch spricht und somit auch insgesamt skandinavisch sehr gut versteht.

Kommunikation mit Deutschland ist in ganz Skandinavien über die Mobilfunknetze problemlos. Wir haben unser Handy inkl. Stromversorgung mittels einer Weiche über die UKW-Mastantenne immer angeschlossen. Ebenso haben wir den heimischen Festnetzanschluß aufs Bordtelefon weitergeleitet.

Das Preisgefüge in Skandinavien ist für uns vergleichsweise hoch. Wir empfanden, dass die Durchschnittspreise in Dänemark um ein Drittel, in Schweden gut um die Hälfte und in Norwegen mehr als Doppelte betragen. Das Hafengeld steigt mit zunehmender nördlicher Breite und beläuft sich in Norwegen auf DM 45 - 60.

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